03.01.2013 | 09:55

Die Sonne stellt noch keine Rechnung

Eines der ersten Sonnenhäuser Thüringens steht in Wümbach und gehört Markus und Manuela Brückner. Pro Jahr soll man mit zwei bis vier Festmetern Holz für Heizung und Warmwasser auskommen. Höchstens.

Fragt man in Wümbach nach dem schiefen Haus, wird man sicher auf das Sonnenhaus an der Straße in Richtung Ilmenau verwiesen. Es fällt etwas aus der Häuserflucht, da es ganz genau nach Süden ausgerichtet ist. In dem sonnengelben Häuschen wohnen die Eheleute Markus und Manuela Brückner. Für sie stand nach dem Studium an der TU Ilmenau schnell fest: Wir bleiben hier und bauen ein Haus. Und vor dem Hintergrund explodierender Energiepreise war auch schnell klar, dass es ein Energiesparhaus sein sollte.

„Zunächst hatten wir ein Passivhaus geplant, dass dann aber doch nicht in Frage kam, weil wir eine Katze haben wollten, die öfters mal raus muss. Nach recht umfangreichen Recherchen im Internet und bei Baufirmen stießen wir auf die Firma HELMA Eigenheimbau, ließen uns Prospektmaterial schicken und besuchten schließlich noch einen Vortrag zum Thema Sonnenhaus. Wir fanden die Idee interessant, und mit ausgeklügelter Technik kann man mich sowieso immer kaufen“, schmunzelt Markus Brückner, wenn er an die Anfangszeit ihrer Bauphase zurückdenkt. Eine weitere, wichtige Option für ein Sonnenhaus war auch, dass es mit den Gepflogenheiten der Katze  vereinbar ist. „Wir können die Türen und Fenster, so oft wir wollen, öffnen und schließen, da unser Haus kostenfrei mit Sonne geheizt wird und höchstens zwei bis vier Festmeter Holz nötig sind“, so der  Hausherr weiter. „Wir konnten uns anfangs nur recht schwer vorstellen, dass es funktioniert, haben uns aber seit unserem Einzug zu Pfingsten letzten Jahres schon eine ganze Weile davon überzeugen können“, ergänzt Manuela Brückner. „Und auch die Bautagebücher im Internet haben und in unserer Entscheidung bestärkt und ein ganzes Stück Sicherheit gegeben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

Wümbach sagte sofort zu

Und warum ausgerechnet in Wümbach? Markus Brückner: „Weil wir in Ilmenau kein geeignetes Grundstück ohne Schatten bekommen haben und weil hier unsere Bauvoranfrage sofort positiv beschieden wurde, da das Haus ja genau gen Süden ausgerichtet werden musste.“

Das Prinzip eines sogenannten Sonnenhauses beruht darauf, dass sich das Haus für Heizung und Warmwasser zu mehr als 50 Prozent aus der Sonne bedient. Lediglich in den Monaten Dezember, Januar und Februar wird über einen Holzvergaserofen mit rund zwei bis vier Festmetern Holz nachgeheizt, und zwar in einen riesigen Warmwassertank, der mitten im Haus steht und vom Keller bis kurz unter die Decke im Erdgeschoss reicht. Dieser Wasserspeicher fasst knapp 7,5 Kubikmeter Wasser und bildet das Kernstück des Sonnenhauses. Äußerlich unterscheidet sich das Haus nicht von anderen Einfamilienhäusern. Es ist massiv gemauert und verfügt über eine ordentliche Wärmedämmung. Auf der Südseite fallen lediglich viel Glas und rund 40 Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem Dach ins Auge. Aber die findet man heute auch bei vielen anderen Gebäuden. Das Häuschen der Brückners verfügt über 128 Quadratmeter Wohnfläche plus 90 Quadratmeter Keller. Der war sowieso beim Hausbau geplant, nun war es aber auch nötig, um den Wasserspeicher zu fassen. Dieser Spezialpufferspeicher ist mit einer ausgeklügelten Regel- und Hydrauliktechnik versehen. Über die Kollektoren auf dem Dach wird die Wärme der Sonne „eingefangen“ und in den Speicher weitergeleitet. Ist dieser einmal aufgeheizt, kann man daraus fast eine ganze Woche die Heizung des Hauses und das Warmwasser speisen, ohne dass die Sonne scheint.

Der Speicher als geschlossenes System funktioniert über Wärmetauscher. „Würde ständig frisches Wasser zulaufen, würde der Behälter ansonsten irgendwann einmal anfangen zur rosten“, erklärt Jürgen Kannemann, Vertriebsleiter für HELMA Eigenheimbau AG aus Zella-Mehlis, mit der die Brückners ihr Haus gebaut haben. Kannemann verspricht, dass den Häuslebauern in den nächsten 30 bis 40 Jahren keine Rechnung für Gas oder Öl ins Haus flattern wird, lediglich das Holz schlage auf der Kostenseite zu Buche „denn die Sonne stellt ja bekanntlich keine Rechnung“. Sollte man irgendwann mal keine Lust mehr haben, den Ofen mit Holz zu beheizen, auch wenn es nur zwei bis vier Festmeter im Jahr sind, könne auch ein Pelletofen oder auch eine Gastherme für die Restheizung an die Heizanlage angeschlossen werden.

Die Brückners haben für die Solarthermie-Anlage gegenüber herkömmlicher Heiztechnik rund 38.000 Euro mehr bezahlt. In den Mehrkosten ist auch der Holzofen mit patentierter Nachbrennkammer enthalten. Diese Mehrkosten sollen sich nach Auskunft Kannemanns innerhalb von zehn bis 20 Jahren amortisieren, „auch im Hinblick auf die Entwicklung der steigenden Energiekosten“, hebt er hervor. Nach seiner Ansicht würden die in den nächsten zehn bis 20 Jahren um bis zu 70 Prozent steigen, was er auf Fehler in der Energiewende zurückführt.

Etwas gewöhnungsbedürftig mutet im Haus lediglich die runde Wand, hinter der der Speichertank versteckt ist, an. Aber die Brückners haben bereits jede Menge Ideen, wie sie den Tank in die Innenraumgestaltung einbinden wollen. Aus Erfahrung weiß Jürgen Kannemann, dass man diesen Tank als Gestaltungselement nutzen kann. „Ich habe schon erlebt, dass Häuslebauer ihre Treppe ins Obergeschoss rund um den Tank haben.“

Nachträglicher Einbau

Sollten sich Besitzer von Altbauten für eine nachträgliche Sonnenheizung entscheiden wollen, so ist dies nur eingeschränkt mit kleineren Speichern und Kollektoren zur Unterstützung bestehender Heizungen möglich. Aber auch damit könne man 30 bis 40 Prozent Heizenergie einsparen, weiß der Fachmann. Wer Interesse an einem energieautarkem Haus hat, kann sich im HELMA-Musterhauspark informieren. Das Bautagebuch von Familie Brückner ist im Internet nachzulesen unter: haus.blog.geekbetrieb.de

Von Anke Kruse

Quelle: Freies Wort Suhl, Ausg. 03.01.2013


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