17.06.2016 | 12:38

Interview mit Karl-Heinz Maerzke, Gründer und Vorstandsvorsitzender der HELMA Eigenheimbau AG

„Für den Geschosswohnungsbau brauchen wir eine gesonderte Energiesparverordnung"

Herr Maerzke, die Zahlen von Helma für das Jahr 2015 können sich sehen lassen…

Ja, wir blicken auf ein gesundes Wachstum zurück – seit 2008 sind es durchschnittlich 20 Prozent im Jahr. Zurzeit beschäftigen wir 280 Mitarbeiter und 65 Handelsvertreter. 2015 steigerte die Helma-Gruppe den Umsatz auf mehr als 210 Millionen Euro – damit lagen wir etwa 23 Prozent über dem Jahr davor. Mit dem Börsengang 2006 konnten wir unser finanzielles Fundament für den Eigenheim- und Mehrgeschossbau sowie Ferienimmobilien sehr gut festigen.

Was machen Sie anders?

Im Vergleich zu anderen Bauträgern verfügen wir heute über eine bis zu vierfache Eigenkapitalrate. Das gestattet uns, in Ballungszentren wie Berlin oder München schneller als andere, knappes Bauland zu erwerben. Solche Entscheidungen müssen innerhalb von 24 Stunden gefällt werden können, sonst ist man draußen.

Sie wurden vor kurzem als Vorstandsvorsitzender des BfW Landesverbandes Niedersachsen/Bremen wiedergewählt. Solch ein Ehrenamt kostet Zeit und Kraft. Warum engagieren Sie sich?

Seit der Gründung von HELMA im Jahre 1980 hat sich in der Baubranche viel getan. Es gab ein Auf und Ab bei Neubauzahlen – sowohl im Einfamilienhaus-Sektor als auch im Mehrgeschossbau. Zum Beispiel durch den Wegfall der Eigenheimzulage oder der AfA-Regelungen. Verordnungen wie die EnEV oder das EEWG veränderten – politisch gewollt – das Bauen. Höhere energetische Standards wurden fixiert, gleichzeitig explodierten die Preise für Energie, Metalle, Bauland und deutlich komplexere Planungsleistungen. Verbände wie der BfW engagieren sich deshalb auf Landes- und Bundesebene. Ich schätze diese Möglichkeiten, um mit den richtigen Partnern direkt ins Gespräch zu kommen und aus unternehmerischer Sicht Trends oder politische Weichenstellungen zu kommentieren.

Wie kommen Sie mit dem Umstand zurecht, dass drei Ministerien in Berlin das Bauen verantworten?

Es ist ein Unding, dass drei SPD-geführte Ministerien es nicht gebacken kriegen, mit einer Sprache zu sprechen. Wir vom BfW sind im Rahmen der Verbändeinitiative ernsthaft im Dialog mit Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Meines Erachtens hat man dort erkannt, dass mit den EnEV-Verschärfungen über das Ziel hinaus geschossen wurde. Mir scheint es für die Politik jedoch schwierig zu sein, das einzugestehen. Noch dazu vor der Bundestagswahl, wenn der nicht gedeckte Bedarf an bezahlbaren Wohnungen zu einem Ventil für die Wähler werden könnte. Umso mehr gilt es, ehrlich zu diskutieren und vor allem sinnvolle Lösungswege aufzuzeigen.

Was könnte das sein?

Ich fordere für den Geschossbau eine gesonderte EnEV. Zurzeit wird alles über einen Kamm geschoren. Um im Mehrgeschossbau einen bestimmten energetischen Standard zu erreichen, müssen Planer und Ausführungsfirma viele, viele Details beachten. Die Bewohner können aber durch ihr Nutzerverhalten alle angestrebten Werte konterkarieren und einen ungeplant hohen Verbrauch an Wärme und Warmwasser erzeugen. Untersuchungen belegen das. Ich glaube, dass die gesamte Wohnungswirtschaft insgesamt von einer EnEV mit mehr Realitätsbezug profitiert.

Was müsste sich außerdem ändern?

In Deutschland gibt es aktuell über 17 000 Verordnungen und Normen für den Baubereich. Da fasst man sich an den Kopf. Die Architektenkammer in Wiesbaden hat analysiert, dass nach der hessischen Landesbauordnung im sozialen Wohnungsbau höhere Ausstattungsnormen gelten als im Bereich von Eigentumswohnungen. Dafür sind aber die Mieten deutlich niedriger. Wie soll das zusammen gehen? Bei den Vorschriften müsste dringend entschlackt werden. Auch die Kennziffern für den Wärmeverbrauch sollten neu definiert werden. Wie man dahin kommt, ist den Architekten zu überlassen. Widerstand kam und kommt von der Dämmstoffindustrie oder den Stromversorgern, die natürlich für Stromheizungen wie Wärmepumpen sind. Zur letzten EnEV-Verschärfung wurden die Primärenergiekennziffern stromfreundlicher ausgearbeitet, sodass sich die Arbeitskennzahlen für Wärmepumpen deutlich verbesserten. Wenn über Baukostensenkung ernsthaft diskutiert wird, müssen Marktprinzipien wie die Wahlfreiheit greifen.

Nun setzt auch die KfW-Förderung auf bestimmte Ausstattungsforderungen. Daran kommt man doch nicht vorbei – oder?

Gesetzgeber und Medien überbewerten meiner Ansicht nach derzeit die Förderprogramme. Bauwillige haben heute die Möglichkeit, eine zehnjährige Hypothek für 0,9 oder 1 Prozent Zinsen zu bekommen. Bei der KfW-Förderbank sind es 0,7 Prozent. Die Differenz von 0,3 Prozent macht 300 Euro für 100.000 Euro im Jahr aus. Ist das den enormen Aufwand wert? Ohne KfW-Darlehen hätte ich zurzeit mehr Wahlmöglichkeiten und vielleicht mehr Geschwindigkeit bei der Bearbeitung durch die Hausbank. Bei wesentlich höheren Zinsen werden diese Förderungen natürlich wieder interessanter. Gleichwohl richtet sich auch die Branche derzeit darauf aus, was die KfW im Programm hat.

Wo sehen Sie HELMA 2030?

HELMA hat ein gesundes Wachstum geschafft – immer mit dem nötigen finanziellen Polster. Wir bereiten in unserem Unternehmen die Zukunft auch personell vor. Eine Nachfolgegeneration geht an den Start. Ich habe da großes Vertrauen. Vor Ihnen sitzt ein Bankkaufmann, der in den frühen Jahren als Hausverkäufer direkt erlebt hat, welche Fehler gemacht wurden. Unsere Mitarbeiter wissen, dass auch sie Verantwortung zur Risikoabwägung tragen. 2030 werden wir nach wie vor Eigenheime bauen. Ich vertrete die Auffassung, diese Bauaufgabe wird es immer geben, auch wenn Umfragen Rückgänge voraussagen. In städtischen Lagen setzen wir vor allem auf Stadthäuser mit vier bis sechs Wohnungen. Das Einfamilienhaus wird im ländlichen Bereich seinen Stellenwert behalten und irgendwann auch wieder Städter anlocken. Interessant dürfte sein, welche Lösungen mit Serienreife es dann für energieautarke Häuser geben wird. In jedem Falle werden wir diese Entwicklung weiter vorantreiben.

 


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