Ein Konstruktionsprinzip erobert Europa

Das Pfettendach

Bis zum 19. Jahrhundert war das aus dem Mittelmeerraum stammende Pfettendach in Nord- und Mitteleuropa weitestgehend unbekannt. Aufgrund seiner maßgeblichen Vorteile setzte es sich dann jedoch flächendeckend gegen das bis dahin konkurrenzlose Sparrendach durch. Heute ist bei uns das Pfettendach die am häufigsten realisierte Form der Dachkonstruktion.

Der Begriff „Pfette“ entstammt übrigens einer Entlehnung aus dem lateinischen Wort Patena = Krippe: Wie bei einer Futterkrippe, die auf gekreuzten Beinen steht, ruhen die Sparren (ähnlich gekreuzt) auf der Pfette.


Wie ist ein Pfettendach aufgebaut?

Die Pfetten sind die waagerechten Träger einer Pfettendachkonstruktion. Sie liegen parallel zu First und Traufe. Durch ihre Anordnung tragen sie die auf ihnen liegenden Sparren – den schräg von Traufe zu First laufenden Trägern – und leiten diese Last in Stützen und Wände ab. Je nach ihrer Lage unterscheidet man zwischen Fußpfette, Mittelpfette und Firstpfette.

Die Fußpfette (auch Sparrenschwelle genannt) wird direkt auf der Außenmauer angebracht. Sie dient nicht nur als untere Auflagefläche der Sparren, sondern ist auch Bindeglied zwischen Dachstuhl und Mauerwerk. Dazu werden die Fußpfetten mit Flachstahllaschen, Stahlwinkeln oder einbetonierten Ankerschrauben auf der Unterkonstruktion befestigt. Fußpfetten werden in einem Pfettendach paarweise angeordnet, also pro geneigter Dachseite eine.

Die Mittelfpfette liegt meistens im oberen Drittel einer Dachkonstruktion und verhindert das Durchhängen der Sparren. Sie leitet die aufkommenden Kräfte über Pfosten oder tragende Wände weiter. Je nach Länge der Dachfläche kann mehr als eine Mittelpfette pro Dachseite benötigt werden.

An der Firstpfette treffen die beiden geneigten Dachseiten aufeinander. Die oberen Sparrenenden liegen dabei direkt auf der Firstpfette. So fängt sie die Kräfte, die von den Sparren im Firstbereich ausgehen, auf und leitet sie über die Giebelmauerwerke, tragende Wände oder Pfosten an andere statisch relevante Elemente weiter.

Firstpfetten und Mittelpfetten haben eine große Last zu tragen. Deshalb verwendet man dafür meistens Brettschichtholz, das aus verleimten Massivholzbrettern besteht und sehr stabil ist. Für Fußpfetten genügt in der Regel (unverleimtes) Vollholz.

In Europa ist es üblich, dass Sparren an der Unterseite eine Kerve (engl. to carve = schnitzen, kerben) haben. Durch diesen zweifachen, schrägen Einschnitt liegen die Sparren stabil auf den Pfettenkanten. Die eigentliche Befestigung erfolgt meistens über Sparrennägel oder Sparrenschrauben.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Pfettendach?

Im Gegensatz zum Sparrendach hat ein Pfettendach ein stabileres Tragwerk, da die Pfetten und Ständer die Dachkonstruktion zusätzlich stützen und lastende Kräfte seitlich abführen. Es ist sehr robust und standfest, so dass sich selbst größere Wind- und Schneelasten leicht auffangen und ableiten lassen. Da beide Dachhälften in sich getrennte Systeme darstellen, müssen die Sparren nicht zwingend (wie beim Sparrendach) gegenüber liegen, was mehr Gestaltungsspielraum bietet. Durch die Pfettendachkonstruktion lassen sich …

  • große und stark geneigte Dächer realisieren,
  • Gauben und Fenster jeder Größe integrieren,
  • komplexe Dachformen (z.B. Walmdächer) problemlos errichten,
  • aufwendige Drempelkonstruktionen (wie beim Sparrendach) vermeiden.

 

Nachteile ergeben sich möglicherweise durch …

  • einen höheren Holzverbrauch bei größeren Dachneigungen,
  • Ständer und Streben, die durch den Dachraum verlaufen können, so dass die Freiheit in der Grundrissplanung eines Dachgeschossausbaus eventuell eingeschränkt ist.