Die Qual der Wahl: Haus bauen mit Keller – ja oder nein?

Früher war das einfach, der Keller war beim Hausbau nahezu obligatorisch. Allein um die kühleren Temperaturen im Keller für Vorräte nutzen zu können, wollte kaum jemand auf ihn verzichten. Heute ist das anders. Wohnraum ist teuer geworden. Wer ein Haus bauen möchte, überlegt sich gut, wie viele Quadratmeter er wirklich benötigt und ob ein Keller ins Budget passt. Doch ganz so einfach ist die Entscheidung „Keller ja oder nein“ nicht zu fällen. Sie wollen ein Haus mit Keller bauen? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und möchten unsere Erkenntnisse gerne mit Ihnen teilen.

Wie viel Platz gewinnt man durch einen Keller wirklich?

Nehmen wir an, es handelt sich um ein Haus mit insgesamt 150 m2 Wohnfläche (EG und DG mit Dachschrägen) und einer Grundfläche von 100 m2. Wird dieses Haus mit Keller anstatt mit Bodenplatte gebaut, gewinnt man dadurch 100 m2 zusätzliche Nutzfläche im UG. In der Realität ist der Vergleich jedoch häufig nicht so leicht, denn das Budget ist begrenzt, und oft muss die Entscheidung zwischen einem größeren Haus (z.B. 150 m2) ohne Keller und einem kleineren Haus (z.B. 125 m2) mit Keller getroffen werden. Entscheidend ist letztlich, für welche Räume man den Platz wirklich benötigt:

  • Hauswirtschaftsraum, Speisekammer und Hobbyräume können problemlos im Keller Platz finden.
  • Abhängig von der Beschaffenheit des Kellers können Büro, Gäste-, Schlaf- und Kinderzimmer hingegen nicht optimal im Keller aufgehoben sein. Vor allem dann, wenn die Kellerräume kein oder wenig Tageslicht bekommen. Ein Hochkeller mit großzügigen Fenstern kann hier Abhilfe schaffen. Auch ein Keller, der in einen Hang gebaut ist, kann u.U. die Möglichkeit bieten, diese Räume in den Keller zu verlagern.

Was kostet ein Keller?

Die Frage nach den Kosten ist nicht eindeutig zu beantworten. Grundsätzlich kann für einen Keller mit Zusatzkosten von ca. 15 – 25 % des Hauspreises gerechnet werden. Die tatsächlichen Kosten sind jedoch von der Ausstattungsvariante und den örtlichen Gegebenheiten abhängig:

  • Ein Keller ist nur dann ein zusätzlicher Kostenpunkt, wenn er auch zusätzlich zu einer festgelegten Quadratmeterzahl realisiert wird. Werden die Quadratmeter in den normalen Wohngeschossen reduziert und diverse Räume in den Keller verlegt, können die Kosten für den zusätzlichen Keller durch die niedrigeren Kosten für kleinere Wohngeschosse zumindest miteinander verrechnet werden.
  • Bei einem Haus mit Keller entfallen die Kosten für die Bodenplatte.
  • Ein weiterer wichtiger Kostenfaktor ist die Beschaffenheit des Bodens: Ein Betonkeller, wie er häufig bei lehmigen Böden notwendig ist (sogenannte weiße Wanne), ist deutlich teurer als ein bei sandigen Böden ausreichender gemauerter Keller.
  • Bei Hanglage könnte ein Keller von Vorteil sein: wird der Keller in einen Hang gebaut, oder müsste anstatt des Kellers aufgeschüttet werden, was ebenfalls zusätzliche Kosten verursachen würde?
  • Soll der Keller ausgebaut werden?
  • Wieviel Tageslicht soll der Keller bekommen?
  • Ein weiterer wichtiger Aspekt bei den Kosten ist der zu erzielende Wiederverkaufswert, der bei einem Haus mit Keller generell höher ist. Dabei ist es allerdings auch wichtig, die Räume im Keller nachhaltig zu planen, damit auch potentielle Käufer von der Raumaufteilung profitieren können.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Hauses mit Keller und welche Alternativen gibt es?

Eine Speisekammer in der Nähe der Küche einplanen und vom Komfort der kurzen Wege zwischen Vorräten und Küche profitieren, andererseits aber auch auf die kühlen Temperaturen im Keller verzichten.

VorteileNachteileAlternativen
StauraumDie alten Spielsachen der Kinder, Winterkleidung und Skier finden Platz im Keller. Das große Platzangebot verleitet schnell dazu zu viel aufzubewahren anstatt es frühzeitig auszusortieren. Auch darf nicht vergessen werden, dass die zusätzlichen Quadratmeter auch sauber gehalten werden müssen.Dachboden als Lagermöglichkeit nutzen.
Fahrräder und GartengeräteAuch für Fahrräder und Gartengeräte bietet ein Keller den idealen Stauraum. Über einen separaten Zugang zum Keller, lassen sich Fahrräder und Gartengeräte besonders praktisch transportieren. Hierfür sind jedoch weitere Kosten einzuplanen.Gartenhaus oder Garage mit Abstellraum planen.
Technik und Wäsche (Hauswirtschafts-raum, kurz HWR)
Haustechnik, Heizung und Waschmaschine finden im Keller Platz. Der HWR auf den Wohngeschossen kann entfallen und der gewonnene Raum anders genutzt werden. Ebenfalls kann die Wäsche gut im Keller zum Trocknen aufgehängt und zwischengelagert werden.Um Technik, Heizung und Waschmaschine bedienen zu können, ist der Gang in den Keller erforderlich. Vor allem im Alter kann das sehr beschwerlich werden.HWR in den Wohngeschossen einplanen. Dies bietet vor allem im Alter größeren Komfort, da für das Wäschewaschen keine Treppe bewältigt werden muss.
Vorratshaltung (Speisekammer)Eine Speisekammer ist sehr komfortabel. Ein Keller bietet hierfür ausreichend Platz und ist auch im Sommer, aufgrund der kühlen Temperaturen, besonders zur Vorratshaltung geeignet.Eine Speisekammer im Keller bietet ein großzügiges Platzangebot, allerdings müssen dafür auch lange Wege in Kauf genommen werden. Und zwar doppelt: das erste Mal, wenn der Einkauf in der Speisekammer verstaut wird und das zweite Mal, wenn die Speisen in der Küche zubereitet werden sollen. Eine Speisekammer in der Nähe der Küche einplanen und vom Komfort der kurzen Wege zwischen Vorräten und Küche profitieren, andererseits aber auch auf die kühlen Temperaturen im Keller verzichten.
WerkstattEine eigene kleine Werkstatt ist der Traum eines jeden Heimwerkers. Im Keller ist eine Werkstatt besonders gut untergebracht. Der Lärm stört die restliche Familie nicht und der Dreck, der beim Heimwerken anfallen kann, wird nicht so schnell in die Wohnräume getragen.Wer plant eine Garage zu bauen, könnte die Garage etwas größer planen und eine Werkbank integrieren. Auch eine separate Werkstatt neben der Garage ist eine gute Alternative.
Fitnessraum und / oder Sauna Wer träumt nicht von einer eigenen Sauna im Haus? Vielleicht sogar in Kombination mit einem Fitnessraum? Ein Keller bietet die idealen Voraussetzungen dafür und das ganz ohne Platz im Haus dafür opfern zu müssen. Fitnessraum und Sauna müssen regelmäßig gepflegt und gewartet werden.Wenn der Garten nicht einsehbar ist, kann eine Außensauna eine schöne Alternative sein. Sowohl Sauna, als auch Fitnessraum bieten sich aber auch als Projekt an, dass zu einem späteren Zeitpunkt realisiert wird, z. B. wenn die Kinderzimmer nicht mehr benötigt werden.

 

Unser Fazit zur Frage: Haus mit Keller – ja oder nein.

Ein Keller hat viele Vorteile aber auch einige Nachteile. So schön der gewonnene Stauraum auch ist, vor allem im Alter kann er durch die ausschließliche Erreichbarkeit über Treppen und die langen Wege zu den Wohnräumen auch beschwerlich werden. In puncto Alternativen, Kosten / Nutzen und Wiederverkaufswert sollte daher genau abgewogen werden, ob ein Keller im individuellen Fall lohnenswert ist oder durch gute Alternativen ersetzt werden kann. Letztendlich ist ein Keller, wie bei vielen anderen Themen rund um den Hausbau, auch Geschmackssache und sollte ganz individuell betrachtet werden.

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